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SIC Social Innovation Center  ·  Arbeit und Nachhaltigkeit  ·  Das Projekt "Gute Arbeit"

Das Projekt "Gute Arbeit"

 Unser Projekt entwickelt sich

weiter und weiter...

Im Jahre 2004 haben wir unser Projekt zur  "Guten Arbeit" gestartet. Gewerkschafter, Unternehmer aber vor allem die "Betroffenen" (ArbeitnehmerInnen aber auch Manager und Fachleute aus öffentlichen Ämtern) waren eingeladen, sich an unserer Werkstatt zur  "Guten Arbeit" zu beteiligen.

  • Was bedeutet der Begriff "Gute Arbeit"? 
  • Welcher Zusammenhang besteht mit dem Konzept einer Nachhaltigen Entwicklung?  
  • Lässt sich das Projekt einordnen in das weltweite Erziehungsprogramm der UNO zur nachhaltigen Entwicklung? 
  • Was kann in der Südtiroler Arbeitswelt konkret getan werden, um Prozesse in Richtung Nachhaltigkeit anzuregen und die Arbeitsqualität zu verbessern?

Dies ist nur eine kleine Auswahl von Fragen, mit denen wir uns im letzten Jahr auseinandergesetzt hatten. Im Rahmen von Betriebsversammlungen, Gesprächsrunden mit Gewerkschaftern und vielen Einzelgesprächen haben wir die Fragestellung zum Thema vertieft und eine Bündelung vorgenommen, zu der wir im Jahre 2005 weiterarbeiten werden. Aufgrund der vielen positiven Rückmeldungen werden wir in Zusammenarbeit mit dem AFI-IPL und der Berufsschule in italienischer Sprache in den kommenden Monaten weitere Initiativen ergreifen. Vorgesehen sind ab Mai monatliche Dialogrunden mit interessierten Arbeitnehmern und Gewerkschaftern.

Für diese Dialogrunden ist die Eingliederung ins Gea*-Projekt beantragt worden; d.h. alle Teilnehmer erhalten Punkte für das Gea*-Zertifikat. Sobald das Programm definitiv feststeht, werden wir darüber in unserem Blütenblatt berichten.

"Was bedeutet der Begriff der Guten Arbeit?"

 Wir haben mit vielen Betroffenen gesprochen und geben nun eine stichwortartige Zusammenfassung der wichtigsten Anregungen, die aus diesen Gesprächen hervorgegangen sind. Es sind Fragmente aus einem "work in progress"; wir werden in den kommenden Monaten die einzelnen Aspekte ausführlicher behandeln und vertiefen.

Wir wünschen uns "Gute Arbeit", wenn wir am Morgen die Wohnung verlassen und uns zur Arbeit begeben; der Ausspruch ist zu einer Grußformel geworden, wenn wir Bekannte nach dem Kaffee in der Bar verabschieden.... manchmal benutzen wir das dialektale "mochs guat!", das letztlich in die selbe Richtung geht. Was damit gemeint ist, hängt im wesentlichen von der persönlichen Einschätzung und Einstellung ab. Eine "gute Arbeit" ist nicht für alle gleich....dennoch gibt es verbindende Elemente, die es zu erkennen gilt, wenn wir an einer Vision der "Guten Arbeit" werken.

Die "Gute Arbeit" hat einerseits eine persönliche Dimension; was für den einen "gut" sein mag, ist für andere vielleicht nicht besonders relevant..... Auch innerhalb des eigenen Arbeits- und Berufslebens können sich die Parameter von einer "Guten Arbeit" stark verändern, je nach unterschiedlicher Prioritätensetzung; z.B. der Druck nach höherem Einkommen, nach einer höheren Zeitsouveränität, nach Selbstverwirklichung.....

Die Einstellung zur "Guten Arbeit" wandelt sich auch im Zuge der persönlichen Entwicklung: Ein Arbeitnehmer, der seine eigene Wohnung kaufen möchte oder seinen Kindern das Uni-Studium bezahlen muss, hat in diesen Zeiten von finanzieller Knappheit eine Prioritätensetzung zur "Guten Arbeit", die vielleicht einige Jahre später nicht mehr in dieser Form zum Ausdruck kommt.

Andrerseits hat die "Gute Arbeit" auch eine gesellschaftliche Dimension; die Gewerkschaften versuchen solche Rahmenbedingungen für die Arbeit zu schaffen, die eine "Gute Arbeit" erleichtern; so z.B. über Gesetze (Gesetz Nr. 626 zum vorbeugenden Gesundheitsschutz  oder das sogenannte "Arbeiterstatut" über die Gewerkschafts- und Freiheitsrechte am Arbeitsplatz), über Kollektivverträge und territoriale Abkommen. Die staatlichen Institutionen verabschieden Gesetze, die ebenfalls Rahmenbedingungen für eine "Gute Arbeit" schaffen können oder auch nicht. Aber am einfachen Beispiels des "Rauchverbotes" erkennt man, dass subjektive Interessen und gesellschaftliches Interesse nicht immer identisch sind.

Das Zusammenspiel zwischen der persönlichen und kollektiven Dimension ist für unsere Arbeit wesentlich, denn die Gewerkschaft, der Staat usw. können nicht von oben herab, die Bedingungen für eine "Gute Arbeit sichern". Andrerseits haben die Rahmenbedingungen für die Arbeit eine kollektive Dimension, sie können persönlichen Entwicklungsprozessen förderlich sein oder sie behindern...

  • Worin besteht  der Zusammenhang  zwischen "Guter Arbeit" und "Nachhaltigkeit"?
  • Zwischen "Guter Arbeit und globaler sozialer Gerechtigkeit"?
  • "Guter Arbeit" und Ethik?

Bei unseren Interviews und Dialogrunden ist immer wieder  der "Prozesscharakter" betont worden, der "Guten Arbeit" im Entwicklungs- und Lernprozess  des Einzelnen, wie auch der Gesellschaft.  Ein Entwicklungsprozess zu ethischen Entwicklungszielen, die zu einer Vorstellung von "Nachhaltigkeit" gehören; z.B.: Gestaltungskompetenz, Mitsprache, Solidarität, bewusster und schonender Umgang mit den natürlichen Ressourcen, Gesundheitsschutz....aber auch persönliche Evolution zu Reife und Weisheit. In diesem Prozess geht es vor allem darum, den Bereich der Arbeit auch aus einer ökologischen und spirituellen Dimension heraus zu hinterfragen....üblicherweise wird die Arbeit lediglich in ihrer ökonomischen  und  sozialen Dimension betrachtet (Arbeit als Kostenfaktor, Arbeit als soziales Integrationselement......).

Diese ganzheitliche Betrachtungsweise entspricht dem bekannten "Dreieck der öko-sozialen Nachhaltigkeit", (RIO-Konferenz 1992) in dem das gleichwertige Zusammenspiel von Ökologie, Ökonomie und sozialen Belangen ausgedrückt wird.

"Gute Arbeit" beinhaltet solche Aspekte die sowohl den "Job" betreffen ("Job" als Tätigkeit zum Geldverdienen....) aber auch jene Arbeit, die als "Werk" - im Sinne der persönlichen Entwicklung und der Selbstverwirklichung - verstanden wird.

Beim Nachdenken über die "Gute Arbeit" kommen daher sowohl materielle wie auch immaterielle Aspekte zum Vorschein. Die folgende Auflistung aus den bisherigen Gesprächen macht es deutlich.

"Gute Arbeit" drückt sich aus in:

  • Angemessener Lohn...
  • Gute Arbeitsbedingungen...
  •  Mitbestimmungsrechte...
  • Qualifizierungsansprüche...
  • Zeitsouveränität (Wahlarbeitszeit)...
  • Ortssouveränität...
  • Kenntnis der Produktnutzen und -lebenszyklen...
  • Altersgerechte Arbeitsgestaltung...
  • Eigenverantwortung...
  • Selbstverwirklichung...
  • Kreativität...
  • Gestaltungsspielräume...
  • Gesellschaftlicher Nutzen der Arbeit...
  • Arbeit als "Großes Werk" in der persönlichen Entwicklung...

Wie verbindet sich die "Gute Arbeit" mit der Verbesserung der Lebensqualität in den Dörfern und Städten?

  • Kinderbetreuung?
  • Gesundheitsschutz?
  • Wohnungsqualität?
  • Bildung?
  • Gesunde Ernährung?
  • Kultur?
  • Mobilität?
  • Information und Kommunikation?
  • Soziale Netze?

Was hat die "Gute Arbeit" mit "nachhaltiger Entwicklung" zu tun?

  • Ein schonender Umgang mit der Ressource Mensch?
  • Vorbeugender Gesundheitsschutz?
  • Gesellschaftliche Integration?
  • Sozialer Nutzen menschlicher Arbeit?
  • Möglichkeit zum individuellen und graduellen Rückzug aus der "Konsum-Lohn-Spirale"?
  • Aufwertung immaterieller Werte?
  • Kooperation statt Kampf?

Ist die "Gute Arbeit" nur ein gewerkschaftliches Anliegen?

  • Gewerkschaften beeinflussen die Rahmenbedingungen, in denen  sich eine "Gute Arbeit" besser oder schlechter entfalten kann..........;
  • die Gewerkschaft kann aber nicht die Eigen-Verantwortung, den Lernprozess, die Entscheidungsfreiheit der einzelnen Individuen auf sich ziehen und für die arbeitenden Menschen bestimmen, was eine "gute" Arbeit ist und was nicht.

Eine "Gute Arbeit" ist immer mit der subjektiven Einschätzung der "persönlichen Qualität" verbunden..... und diese persönliche Einschätzung ist Teil eines Lernprozesses

Der Entwicklungsprozess in Richtung "Gute Arbeit" ist daher  auch ein Lernprozess in Richtung:

  • Übernahme von Eigenverantwortung
  • Bewusstes Handeln
  • Mitsprache
  • Gestaltungskompetenz
  • Übernahme sozialer Verantwortung
  • Solidarisches Handeln
  • Bereitschaft zum Lernen


Eine interessante Frage in diesem Zusammenhang betrifft den Einsatz von technologischen Hilfsmitteln. Sind die neuen Informationstechnologien ein HILFS-mittel? Oder wird die Arbeit (und der arbeitende Mensch) den Erfordernissen der Technik angepasst? Wie wirkt sich in diesem Zusammenhang der Aspekt der "freien Software" aus?

Was bedeutet die "Gute Arbeit" für die Gesellschaft?

* Geringere soziale Kosten?
* Höhere soziale Integration?
* Vorbeugenden Gesundheitsschutz?
* Kreative Wirtschaftsprozesse?
* Höhere soziale Innovationsfähigkeit?
* Öko-sozialen Wohlstand?

Welches Interesse haben Unternehmen an einer "Guten Arbeit"?

* Erhöhung des kreativen Potentials?
* Steigerung der "Wettbewerbsfähigkeit"?
* Reduzierung destruktiver Konflikte?
* Abbau von Mobbing?
* Senkung der krankheitsbedingten Arbeitsausfälle?

Allgemein kann festgestellt werden, dass "Gute Arbeit" eine Win-Win-Situation bedeutet:  Alle können dabei "gewinnen" durch bessere Arbeitsqualität, geringere soziale Kosten und Steigerung der Kreativität.

Bis zum nächsten Mal!

Inzwischen wünschen wir allen eine "Gute Arbeit"!

Das Redaktionsteam

 

 

 

 


 


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